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Wie wird man Hundetrainer?

Als Partner von Gerda, welche ich auch über den Großteil ihrer Ausbildung in den letzten Jahren begleitet habe bin ich der Meinung diese Frage objektiv beantworten zu können.

Grundsätzlich muss man wissen dass es den Beruf Hundetrainer, Hundecoach, oder welchen Begriff man immer dafür verwenden will nicht gibt.
Hundetrainer ist kein anerkannter Beruf.Jeder kann sich so nennen, deshalb gibt es viele schwarze Schafe und genau aus diesem Grund kommt es immer wieder zu Streitereien unter Hundetrainern und Besitzern. In kaum einem anderen Beruf gehen die Meinungen zur “perfekten” Hundeausbildung so weit auseinander.
Mittlerweile gibt es zwar immer mehr anerkannte Zertifizierungen und Prüfungen, aber diese sind teilweise nur freiwillig und immer noch weit davon entfernt zur Pflicht wie z.B. in Deutschland zu werden.


Länderüberblick

Die Schweiz ist im deutschsprachigen Raum in diesem Bereich sicher ein Vorreiter, in einigen Bereichen, speziell bei Assistenzhunden gibt es mittlerweile sogar das Berufsbild des Instruktors, aber noch keine Anerkennung als Hundetrainer.
Generell ist in Foren zu beobachten, dass es Schweizer Trainer aufgrund fehlender Qualifikationen immer schwerer haben Kunden zu finden, da diesen das Thema unter anderem auch durch den Instruktor bewusster ist.

Deutschland hat seit August 2014 ein Gesetz, welches besagt, dass ich ohne Erlaubnis der Behörde keine Hunde mehr ausbilden darf.
Das ganze wurde im Tierschutzgesetz § 11 Abs. 1 definiert.

Für die Lesefaulen kurz und knapp:
Wer gewerbsmäßig für Dritte Hunde ausbildet, oder dem Besitzer des Tieres Anweisungen für die Ausbildung gibt, muss die Erlaubnis der zuständigen Behörde haben.

In Österreich ist es zurzeit noch am einfachsten als Hundetrainer zu arbeiten, da keine Zertifizierung, oder Qualifikation benötigt wird. Mit der seit kurzem erhältlichen Zertifizierung als Tierschutzqualifizierter Hundetrainer gibt es aber mittlerweile eine anerkannte Zertifizierung.

Kostenübersicht zum Tierschutzqualifizierten Hundetrainer:
340€ Prüfungsgebühr
50€ für das Ausstellen des Zertifikates
in unserem Fall mindestens 200€ Reisekosten da man die Prüfung nur in Wien ablegen kann
------------------------
590€ Erstkosten

Weiters fallen pro Jahr 120€ Lizenzkosten an und man muss alle 2 Jahre 40 Stunden an Weiterbildung nachweisen. Es werden nur bestimmte Workshops, Vorlesungen usw. anerkannt - sprich über das Jahr verteilt weitere Reise,- und Seminarkosten.

Diese Zertifizierung ist ein sehr guter erster Schritt. Leider ist es bis jetzt noch nicht an den Laien vorgedrungen, sodass die meisten Kunden nicht wissen um was es sich bei dieser Zertifizierung handelt. Vor allem im Westen Österreichs kennt kaum jemand diese Zertifizierung und daher bringt sie dem Trainer keine Vor,- bzw. auch keine Nachteile.
Sehr wünschenswert wäre dies als kostenfreie bzw. einmalig Kostende verpflichtende Zertifizierung ähnlich wie in Deutschland.


Welche Aufgaben und Fähigkeiten sollte ein Hundetrainer haben?

Grundsätzlich hat man 2 Hauptaufgaben:


Die Erziehung des Hundes:
Man muss das Verhalten des Hundes richtig verstehen können, die Rassespezifischen Eigenschaften kennen und aufgrund eines umfangreichen Gespräches mit dem Kunden die Lebensgeschichte anhören und die wichtigsten Fakten herausarbeiten.

Aufgrund dieser Faktoren entwickelt man ein individuelles Trainingsprogramm für Hund und Halter. Beurteilt man einen dieser Faktoren nicht richtig z.B. deutet man das Verhalten falsch, funktioniert das Trainingsprogramm nicht und man kann den Hund damit auch Schaden zufügen.


Der Umgang mit dem Besitzer:
Einigen Besitzern fällt es schwer neue Sichtweisen anzuerkennen und diese richtig umzusetzen.
Man muss daher oft seine Methoden belegen und erklären können, sodass sie überhaupt angenommen werden.

Ein Einfaches “weil es halt so ist” reicht bei weitem nicht mehr - Kunden sind nicht dumm und informieren sich selbst über Trainingsmöglichkeiten und prüfen dich in gewisser Weise auch.
Weiters benötigt man sehr viel Feingefühl, denn man “behandelt” in den allermeisten Fällen kein Tier, sondern ein Familienmitglied.
Man muss daher auch fähig sein sich gut einfühlen zu können, wenn man z.B. die Leidensgeschichte des Tieres hört.


Weitere Aufgaben, Fähigkeiten:
  • bei Selbstständigkeit ist Grundwissen im Marketing und Steuerrecht sehr wichtig, oder man kennt jemanden der einem dabei hilft
  • Selbstbewusstsein - gerade in der Anfangszeit muss man Kontakte zu möglichen Partnern finden. Sich mit Medien auseinander setzen, bereit sein eine öffentliche Person zu werden und sich von Kritik nicht klein kriegen lassen.
  • dem Internet sehr aufgeschlossen sein: die meisten Kunden erkundigen sich mittlerweile sehr gut über einen möglichen Trainer im Internet, daher sollte man dort möglichst professionell auftreten, offen und aufgeschlossen sein.
  • Ausdauer und Geduld: auch wenn du das Thema Welpen zum hundertsten Mal einem neuen Kunden erklärst ist es wichtig dieselbe Motivation und Geduld wie beim allerersten Kunden zu haben. Der Kunde hat bezahlt und verdient den bestmöglichen Service.
  • Rassespezifische Kenntnisse über zumindest alle gängigen Hunderassen sind Pflicht. Es gibt nichts unprofessionelleres als wie ein Hundetrainer der vor Ort beim Kunden den Hund falsch identifiziert bzw. falsche Fakten über die Rasse weitergibt, denn meist sind die Halter einer bestimmten Rasse Experten wenn es um ihren Liebling geht.
  • die Körpersprache von Hunden muss perfekt beherrscht werden, wenn ich als Trainer bei einem Kunden gebissen werden würde, sollte ich einen Berufswechsel in Erwägung ziehen, denn dann habe ich die Körpersprache nicht verstanden. Ein "aggressiver" Biss deutet sich schon Minuten vorher durch viele Signale an.


Wie sieht der Alltag als Trainer aus?

Ein normaler Werktag beginnt für Gerda meistens am Vormittag mit dem abrufen und beantworten ihrer Mails. Anschließend werden Kunden angerufen Probleme besprochen, Termine vereinbart usw.
Ebenfalls am Vormittag hat sie dann meistens das erste Training, welches bei ihr je nach Kunde 1-3 Stunden dauert. Zusätzlich kommt noch eine Fahrzeit je nach Kunde von 15 -120min dazu.

Am Nachmittag hat sie dann 1-2 weitere Kunden, oder Gruppenkurse. Jeden Kunden bereitet sie zusätzlich vor,- und nach. Vor allem die Vorbereitung von Erstkunden macht sie sehr ausführlich und erkenne ich sofort wenn sich mal wieder die Fachbücher auf ihrem Schreibtisch stapeln :)
Zwischendurch schreibt sie teilweise hier Artikel, updatet die Tierverstandsseite, nimmt Anrufe entgegen und löst kleinere Probleme, vereinbart neue Termine, wirbt und schreibt auf Facebook, spricht mit Kollegen, bildet sich durch aktuelle Fachliteratur weiter bzw. besucht regelmäßig Seminare, erledigt den Einkauf für das Büro, den Shop und sonstigen Artikeln welche Kunden benötigen und entwickelt neue Trainingsprogramme welche die Kunden im internen Bereich herunterladen können.

Nach meinem Wunsch hat sie mittlerweile feste Zeiten von Mo-Fr 09:00 bis 19:00 wobei sie nicht jede Minute davon arbeitet, sondern in dieser Zeit ist sie erreichbar und bei Kunden.
Generell schätze ich ihre reine Arbeitszeit auf in etwa 6 Stunden pro Tag, nicht mitgezählt habe ich den Samstag für Gruppenkurse und Notfalltermine an Feiertagen.
Ebenfalls nicht mit eingerechnet ist die komplette Buchhaltung, Marketing online sowie offline, Websitebetreuung, sowie der restliche bürokratische Wahnsinn mit dem du als Firma konfrontiert sein wirst. Diese Aufgaben erledige ich sehr gerne für Gerda und müsstest du noch bei dir dazuaddieren, falls du das selbst machst.

Einen Tipp kann ich dir noch weitergeben und zwar achte wirklich auf feste Arbeitszeiten und mindestens einen freien Tag pro Woche und generelle Ruhezeit an Feiertagen. Gerade in der Gründungsphase ist der Übereifer groß und man versucht immer erreichbar zu bleiben. Teilweise ist es dann bei Gerda ausgeartet das auch mal Sonntags Abends, oder in aller Früh Anrufe kamen, was mich als Partner dann schon sehr gestört hat.


Wie werde ich denn nun ein Hundetrainer?

Das Problem wird zunächst sein Kunden zu finden. Mögliche Kunden geben dir oft einen sehr genauen Einblick in das Familienleben, deshalb erkundigen sie sich immer genauer über mögliche Trainer und wollen Referenzen, Ausbildung und Werdegang eines Trainers erfahren.

Wenn zu wenig Qualifikation vorhanden ist, scheitert es schon zu Beginn Kunden zu finden und Geld zu verdienen.
Wenn du Kunden hast und nur einer mit der Leistung unzufrieden ist, kann dieser eine Kunde dir gerade zu Beginn das Geschäft kaputt machen und dich im blödesten Fall, öffentlich, negativ für sehr lange Zeit brandmarken.

Deshalb ist es wichtig erst mit einem guten Grundstock an Wissen und Praxiserfahrung als Hundetrainer zu arbeiten, um nachhaltig Erfolg damit zu haben.


3 Möglichkeiten wie du dir dieses Wissen und auch die Praxis aneignen kannst:

  • Studium
  • kostenpflichtige Ausbildung
  • Autodidakt

Studium:
Es bietet sich hier Biologie mit dem weiteren Schwerpunkt Verhaltensbiologie an. Dies ist sicher die längste und kostenintensivste Ausbildung und der meiner Meinung nach am wenig empfehlenswerteste Weg Hundetrainer zu werden. Auch sind die Zukunftschancen mit diesem Studium nicht wirklich gut.
Jobs im Angestelltenverhältnis sind kaum vorhanden, es bleibt fast nur die Möglichkeit der Selbstständigkeit bzw. das Glück zu haben in der Uni angestellt zu werden und dann bei durchaus sehr interessanten Projekten mitarbeiten zu dürfen.

Die Studiendauer variiert sehr stark, bei Gerda hat das Biologiestudium in etwa 4 Jahre gedauert und der Schwerpunkt weitere 5 Jahre, da sie nebenbei arbeiten musste um das Studium zu finanzieren. Einige brauchen noch länger, andere schaffen es in Rekordzeit, wurden aber dann finanziert.

Für das Studium in Wien benötigt man in etwa ~700-1000€/Monat für die Lebenshaltungskosten, plus die Semestergebühren von in etwa 400€.

Weiterer Nachteil, die zum Teil fehlende Praxis im Studium welche man sich durch Praktika oder Nebenjobs zusätzlich aneignen muss. Gerda hat hier zum Beispiel freiwillig in Tierheimen geholfen, unbezahlte Praktika gemacht und Beratungen angeboten, sowie mehrere Jahre in Wien kostenpflichtig Hunde betreut.
Der Vorteil ist mit Sicherheit die wohl umfangreichste Ausbildung, um das Verhalten der Tiere zu verstehen.


Eine weitere noch relativ neue Möglichkeit bietet die Vetmeduni Wien mit dem Universitätslehrgang Angewandte Kynologie.
Der Lehrgang dauert 2 Jahre und kostet 4900€. Einige auch bekannte Trainer haben diesen Lehrgang absolviert.

Generell hat man beim Studium den Vorteil, dass es anerkannte Ausbildungen sind, man nach aktuellem wissenschaftlichen Stand lernen darf und ein mögliches weiteres Standbein hat sollte es als Hundetrainer nicht klappen. Auch kommt man durch diverse Projekte immer wieder in interessante Situationen welche einem im Alltag vermutlich nicht begegnen und man lernt viele Kollegen lernen, welche später in einer eventuell ähnlichen Position wie du arbeiten und profitiert dann von einem umfangreichen Netzwerk.


kostenpflichtige Ausbildung zum Hundetrainer:
Wenn man im Internet nach Ausbildungen zum Hundetrainer sucht, findet man sehr schnell Seminare, Kurse, Workshops welche versprechen für mehrere tausend Euro in x Einheiten/Stunden einen diplomierter Hundetrainer aus dir zu machen.

Hier ist jedoch Vorsicht geboten, da die missbräuchliche Verwendung vom akademischen Grad Dipl. (alles was nicht von einer Hochschule verliehen wird) zumindest in Deutschland strafbar ist
Diese Ausbildungen sind außerdem nicht anerkannt und im weiteren beruflichen Verlauf daher kaum zu gebrauchen. Auch versucht man häufig mit toll, offiziell klingenden, zum Teil sogar fiktiven Vereinsnamen eine Anerkennung hervorzurufen welche dann aber doch nicht vorhanden ist.

Es ist aber nicht alles schlecht, denn auf der anderen Seite gibt es sehr wohl einige sehr gute Ausbildungen, dass Problem sind nur die vielen schwarzen Schafe. Ich habe mir überlegt einige meiner Meinung nach gute Ausbildungen hier zu veröffentlichen, da hier aber die Meinungen zum Teil weit auseinander gehen werde ich hier nur eine Information anbieten auf was man achten sollte.

Was aber fast alle guten Ausbildungen gemein haben, sind die auf den ersten Blick hohen Kosten. Auf den 2ten Blick muss man aber festhalten, dass es sich lediglich um eine Investition in deine eventuell zukünftige Firma handelt.

Einige Tipps worauf man bei der Auswahl der Hundetrainerausbilder achten sollte:

Welche Trainer geben Workshops?
man sollte die einzelnen Trainer dann im Internet suchen um dort weitere Details zu finden

Hat man nach der Ausbildung weitere Verpflichtungen?
z.B. x% des Umsatzes für die ersten Jahre, oder man muss Werbung für die Ausbildungsstätte machen usw.

Bin ich verpflichtet nach dem Lehrgang x Stunden pro Jahr bei der selben Ausbildungsstätte zu machen?
keine seriöse Ausbildung sollte so etwas verlangen

Bekomme ich regelmäßig Praxis, oder muss ich mich um die Praxis selbst kümmern?
vor allem bei Fernlerngängen hat man das Problem fehlender Praxis, Videos sind zwar eine gute Alternative, aber können keine Praxis ersetzen. Häufig sind einige Praxisstunden bei Fernlehrgängen dabei, normalerweise sollte man dann die Möglichkeit bekommen für einige Wochen mit dem Trainer gemeinsam zu Kunden zu fahren.
Ein paar Stunden, verteilt über das Jahr auf Wochenenden ist hier einfach zu wenig um die nötige Sicherheit zu bekommen.


Muss ich ein Praktikum machen, gibt es überhaupt bei mir in der Nähe eine Möglichkeit eines solchen Praktikums?
einige Ausbildungen verlangen zusätzlich ein Praktikum um die Ausbildung abschließen zu können. Kann ich einige Wochen ein derartiges Praktikum, womöglich an einem anderen Ort überhaupt machen?

Bin ich verpflichtet nach dem Lehrgang x Stunden pro Jahr an Weiterbildung vorzuweisen?
Weiterbildung sollte für jeden Trainer selbstverständlich sein, aber ich halte es nicht für seriös das diese Aufgabe die Ausbildungsstätte übernimmt und man dann womöglich Gefahr läuft bei Nichterfüllung die hart erarbeitete, teure bezahlte Zertifizierung zu verlieren.

Schau dir das Impressum an
Schau dir unbedingt das Impressum an, im deutschsprachigen Raum muss ein gültiges Impressum vorhanden sein, wer steckt hinter der Firma, ist der Sitz überhaupt im deutschsprachigen Raum, oder sonst wo?

Können Texte wie “20 Jahre Trainererfahrung”, “die bekanntesten Trainer empfehlen uns” mit Fakten belegt werden, oder handelt sich dabei nur um Marktschreier?
Wenn online nichts angeführt ist, sollte man sich erkundigen und die Fakten anfordern. Bei weiterer Unsicherheit auch mal beim Empfehlungs gebenden Trainer persönlich nachfragen, ob er die entsprechende Empfehlung tatsächlich ausgesprochen hat.

Selbstbeweihräucherung und selbsternannte Experten
in keinen mir bekannten anderen Berufsgruppen wird derart viel selbst beweihräuchert und groß erzählt wie bei Hundetrainern bzw. den Ausbildern, kein Wunder kann man sich doch nennen wie man will, da es kein geschützer Beruf ist. Toll klingende Bezeichnungen wie "ausgebildeter Hundetrainer (es gibt keine anerkannte Ausbildung)", "Hundeflüsterer", "diverse (nicht überprüfbare) Ausbildungen im Ausland", "Hundecoach, Dogcoach..", "anerkannter Hundepsychologe", "Dogprofi", uvm. sind keine Qualifikationen da häufig nicht überprüfbar.
Seriöse Ausbildungen sollten und haben auch immer Dozenten, Trainer etc. im Team welche ein verhaltensbiologisches Studium absolviert haben, sowie langjährige Trainer ohne schlechten Ruf (ist in den sozialen Medien und Foren sehr schnell überprüfbar) und im Idealfall auch Tierärzte.
Gute Dozenten, Trainer findet man unter anderem in einen der 3 folgenden Hundetrainervereinen in welche man nicht so ohne weiteres aufgenommen wird: VÖHT, Gewaltfreies Hundetraining und Trainieren statt dominieren.
Wirst du dort in den öffentlichen Mitgliederlisten fündig handelt es sich zumindest um eine Ausbildung die Wert auf positive Verstärkung legt und um Trainer die die jeweiligen Kriterien des jeweiligen Vereins erfüllen --> Gerda ist übrigens in allen 3 Verreinen vertreten.


Hundetrainer über den Lehrberuf Tierpfleger?
Hundetrainer ist im deutschsprachigen Raum kein anerkanntes Berufsbild, egal wie viele Diplome und Zertifikate man versprochen bekommt. Einige wenige bieten aber die Ausbildung als Hundetrainer über den Ausbildungsberuf des Tierpflegers an, welcher dann wie jeder andere Lehrberuf vergütet wird und man hat hier zusätzlich den Vorteil des zweiten Standbeins.

zu guter Letzt der gesunde Menschenverstand:
Jetzt weist du in etwa was man als Trainer wissen muss und was man leisten sollte. Bist du immer noch der Meinung in einem 10 Stunden Kurs über das Wochenende für ein paar tausend Euro mit dem Titel "wir bilden dich zum Hundetrainer aus" so viel Wissen vermittelt zu bekommen um den Beruf als Hundetrainer, bei Kunden mit verschiedensten Problemen ausüben zu können?

Oder läuft man Gefahr seinen Ruf aufs Spiel zu setzen und dann nie mehr wieder in diesem Bereich arbeiten zu können?


Autodidakt
Man kann sich sehr vieles selbst beibringen und durch eventuell jahrelangen Besitz eigener Hunde, auch in der Lage sein andere zu trainieren.
Hier empfiehlt es sich zusätzlich Praktika in z.B. Tierheimen, Hundeschulen usw. zu machen. Außerdem was eigentlich selbstverständlich sein sollte, die regelmäßige Weiterbildung auf Seminaren.

Es gibt wirklich gute und auch sehr bekannte autodidakte Trainer, das Hauptproblem hierbei ist aber das dies die Ausnahmen sind und man selbst schnell Gefahr läuft keine Kunden generieren zu können, da diese keine auf dem Papier befindlichen Qualifikationen sehen.

Was bringt es 30 Jahre Erfahrung zu haben und in den letzten 10 Jahren auf keinem einzigen nachweisbaren Seminar gewesen zu sein?, dass man alle verfügbaren Hundebücher kennt mag zwar stimmen, aber wer glaubt einem das? Kunden möchten schwarz auf weiß sehen können, dass man auf dem neuesten Wissensstand ist.


Wie viel verdient man als Hundetrainer?

Nebenberuflich:

Wenn man nur nebenbei etwas dazuverdienen möchte hat man sicher weniger Druck und dann kommt es hauptsächlich darauf an wie viele Kunden man pro Woche hat. Pro Einheit bzw. Stunde verrechnet man im Durchschnitt zwischen 40 und 100€.
Wie viel man in seiner Umgebung überhaupt pro Stunde verrechnen kann, ist daher ein wesentlicher Faktor an den man sich herantasten muss.
In einer Kleinstadt ist der Wert sicher geringer wie in einer Großstadt. Wenn ich diesen Wert definiert habe, kann ich die ersten Berechnungen erstellen.

Wenn du nebenbei arbeitest musst du auf die Steuerfreigrenze von in etwa 800€ in AT aufpassen bzw. wenn es mehr werden sollte ein Kleinunternehmen gründen. Hier ist jedoch der finanzielle Nutzen kaum mehr gegeben, da durch den anderen Job die Steuer sehr hoch sein wird, sodass der geringe Nebenverdienst noch geringer ausfällt.
Der nebenberufliche Weg wäre aber der finanziell sicherste Weg in diesem Beruf erste Erfahrungen zu sammeln.


Angestellt:

Wenn man den Job als Hundetrainer hauptberuflich machen möchte kommt es darauf an ob man angestellt wird, oder selbstständig arbeitet. Als Angestellter in z.B. einem Tierheim wird man je nach Bundesland und Berufsjahren in etwa 1050-1500€ netto/Monat verdienen. In den meisten Fällen wird man aber nicht ausschließlich mit Hunden zu tun haben, sondern auch mit anderen Tieren. Auch sind derartige Jobs sehr gefragt und dementsprechend schwer wird es sein eine Stelle zu finden.


Selbstständig:

Als Selbstständiger lautet die erste Frage:
Wie viel muss ich verdienen um nicht drauf zu zahlen und davon leben zu können?Da ich die Buchhaltung von Tierverstand mache kann ich diese Frage wohl beantworten. Muss aber darauf hinweisen, dass die richtige Antwort je nach Lebenshaltungskosten und Wohnort bei jedem anders sind, man aber eine Vorstellung bekommt.

Gerda benötigt mindestens ~ 2000€ netto monatlich um als Normalverdiener durchzugehen. Manchmal hat sie etwas mehr, manchmal weniger das hängt stark von der Jahreszeit ab und muss daher gut verwaltet.


Nach allen Ausgaben welche in etwa wie folgt aussehen:
  • allgemeine KFZ-Kosten und Treibstoff
  • Sozialversicherung (mit Abstand eine der höchsten regelmäßgen Abgaben, du kannst diesen Betrag durch eine Mitversicherung beim Partner, oder einer Rezeptgebührenbefreiung zumindest in der Gründungsphase umgehen)
  • Tiertrainerversicherung
  • Telefonkosten
  • Firmenkonto bei der Bank (um einiges teurer wie das normale Girokonto)
  • Serverkosten für die Website
  • Unfallversicherung
  • KFZ-Haftpflicht
  • Rechtsschutzversicherung (für Auto und Firma)
  • Bürosachen wie z.B. Druckerpatronen, Papier usw.
  • Werbeaufwand wie Flyer, Visitenkarten, Print,- und Onlineanzeigen usw.
  • Fachliteratur
  • Seminare, Reisekosten
  • Steuerberater
  • Tourismusabgabe
  • WKO-Beitrag

bleibt im Durchschnitt noch die Hälfte über, was dann im Grunde Gerdas Lohn ist. Wenn dieser Lohn mehr als 11.000€/netto im Jahr ausmacht (919€ / Monat) fällt auch noch Einkommenssteuer an. Sprich theoretisch kann es sein, dass du durch die Steuer dann weniger verdienst, obwohl du mehr gearbeitet hast. Es kann daher Sinn machen am Jahresende Stunden auf das nächste Jahr zu schreiben um unter den 11k zu bleiben.
Je höher das Einkommen, desto höher die Abgaben. Wenn wir als Beispiel 1200€ netto / Monat nehmen (Betrag abzüglich aller vorher genannten Ausgaben), muss Gerda in etwa denselben Betrag am Jahresende zurückzahlen, sodass sie effektiv nur mehr 11 Monatslöhne hat bzw. auf 100€/Monat verzichten muss. Diese 11000€ Grenze ist gerade für Selbstständige viel zu gering angesetzt, da man hier zu Beginn künstlich eingeschränkt wird.

Grundsätzlich bin ich froh in Österreich aufgrund der Kleinunternehmerregelung bei jährlichem Umsatz unter 30.000€/netto Umsatzsteuerbefreit zu sein, da hier einiges an Papierkram entfällt und die Rechnungsstellung sehr vereinfacht wird, der Betrag könnte aber durchaus um einiges höher sein.

Um zum Schluss zu kommen:
Als Hundetrainer muss man sicher nicht hungern, aber man hat es bei ähnlichem Verdienst wie ein Angestellter sicher nicht ganz so bequem. Da man aber ohnehin sein Hobby zum Beruf gemacht hat, sollte die Befriedigung des Berufes die Bequemlichkeit nicht mehr ganz so wichtig erscheinen lassen.
Natürlich gibt es auch Trainer die wesentlich weniger verdienen, aber auch solche die aufgrund ihrer Bekanntheit und jahrelanger Präsenz wesentlich mehr verdienen.

Fazit:

Der Beruf des Hundetrainers ist durch seine Nichtanerkennung ein großes Problem. Es gibt dadurch auch nicht selten Streit unter Trainern, ja sogar verhärtete Fronten zwischen Ausbildung A und Ausbildung B.

Unabhängig davon ist der Beruf keine Zauberei, oder geschweige denn nicht finanzierbar. Man verdient genauso gut bzw. schlecht wie jeder andere Selbstständige im Dienstleistungsbereich, man hat dieselben Probleme und dieselben Erfolge.
Besonders schwer gestaltet sich die Anfangszeit, vor allem der Kundenaufbau, hier sollte auf jeden Fall ein finanzielles Polster vorhanden sein um bei einem Fehlschlag nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Apropo schwer - das trifft wohl auf viele Berufe bzw. vor allem ein Gang in die Selbstständigkeit zu, das ist nie ein leichter Weg. Aber der Weg ist auch nicht so steinig wie manch ein anderer behaupten wird.
Wenn man an etwas glaubt und mit ganzer Überzeugung Hundetrainer werden möchte stehen einem heute mehr Möglichkeiten und Hilfestellungen denn je zur Verfügung.

Ich hoffe ich konnte dir einen Einblick in dieses Thema geben und konnte dich motivieren weiterzumachen, oder aber auch dich davon abhalten diesen Weg weiterzugehen bzw. überhaupt zu beschreiten.
Kommentare  
 
# Gloria Petrovics 2015-03-04 17:26
Eine österreichische Besonderheit: für Assistenzhundet rainer braucht man keine besondere Ausbildung, es ist ein freies Gewerbe, aber man jeder Hund,den man als Assistenzhund verkauft, muss tierärztliche Untersuchungen und die Prüfungen beim Messerli-Instit ut bestehen (§39a BBG. BGBl.66/2014)
Link zur Prüf-und Koordinierungss telle für Assistenzhunde, dem Messerli-Forsch ungsinstitut vetmeduni.ac.at/.../...
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# Chris 2015-03-04 20:02
Hi Gloria,

danke für deine Zusatzinfo, für Assistenzhunde werde ich mal bei Gelegenheit etwas eigenes schreiben, da es hier Länderübergreif end teilweise auch enorme Unterschiede gibt und nicht alle Regeln sind nachvollziehbar bzw. sogar eine unnötige Herausforderung für Trainer :)

Woher hast du die Info das die Prüfung am Messerli erfolgen muss? Habe das letztes Jahr schonmal gehört, aber auch in den neuen Richtlinien konnte ich keine Info darüber finden wo die Prüfung zu erfolgen hat. Letztes Jahr waren die Prüfungen zumindest noch an mehreren Standorten möglich.
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# Marlene 2016-02-21 12:10
danke für die gute Zusammenfassung , vor allem der Überblick über die Ausgaben haben mir ein wenig zu Denken gegeben
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# Yvonne 2017-05-08 23:33
Vielen Dank für den persönlichen Einblick und die tollen Erklärungen :))
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