500 Kekse netto, wie viel verdient dein Hund?

Wieso belohne ich? Mit was belohne ich? Warum belohne ich überhaupt? Das sind häufige Fragen die ich ganz gerne mit einer Gegenfrage beantworte.
Wirst du für deine Arbeit bezahlt, oder reicht dir die Anerkennung von deinem Chef?

Wieso soll man den Hund belohnen?

Hund mit Geld im Futternapf
Anerkennung ist zwar wichtig und fördert die Motivation, leben kann man davon aber nicht. Du verrichtest wertvolle Arbeit, brauchst dafür dein Wissen und deine Fähigkeiten und dafür wirst du entsprechend entlohnt. Zum Arbeitsleben gehört auch dazu, dass man sich fortbildet, neu orientiert bzw. altbewährtes hinter sich lässt.

Was hat die Frage nach dem Gehalt jetzt mit Hundetraining, oder allgemein gesagt Tiertraining zu tun? Wieso sollte das Tier nicht auch seine entsprechende Bezahlung für seine Leistungen bekommen? Ich benutze für dieses “bezahlt” werden gerne Leckerchen, oder Umweltbelohnungen.

Hund mit Kong

Manche Leute sagen: “Das Tier macht es doch nur für den Keks.”
Dazu sage ich, ja und? Es ist doch egal, wenn der Hund nur für die Kekse in deiner Tasche seine Kommandos ausführt. Wieso sollte das Tier für den Menschen der ihn führt alles machen?



Gerade beim Erlernen von Neuem ist es wichtig, dass das Tier schnell Erfolge sieht und in seinem Tun bestärkt wird. Schließlich benötigen wir als Menschen, verschiedene Verhaltensweisen vom Hund um ein gutes und harmonisches Miteinander gestalten zu können. Sitz, Platz und Fuß wird von keinem Hund benötigt, wozu auch?

Der Hund könnte auch gut ohne diese “Tricks” mit uns zusammenleben. Uns Menschen erleichtert es unseren Alltag aber ungemein, wenn der beste Freund gut erzogen ist und auf diese Signale hört. Deswegen muss Training gut aufgebaut und auch genügend belohnt werden, gerade am Anfang.
Später kann man die Belohnungen variieren und auch mal ganz weglassen wenn man das möchte.
Ein gut aufgebautes und durchdachtes Training ist weitaus mehr, als nur mit Leckerchen um sich zu werfen.Wenn ein Signal gut trainiert ist und vor allem auch bei verschiedenen Reizlagen geübt wird, dann wird es auch funktionieren, wenn uns einmal die Belohnungen ausgehen. 


Nicht nur Kekse!

Anfangs nutze ich sehr gerne Leckerchen und Clickertraining/Marker um schnell und vor allem genau belohnen zu können. Später wenn das Signal bekannt ist und auch vom Hund verstanden wurde, kann man sogenannte Umweltbelohnungen einsetzen. Erst wenn der Hund ein Verhalten erlernt hat, kommt das Signalwort für das gewünschte Verhalten hinzu. Beim richtigen Aufbau, gutem Timing und genügend Übung wird dein Hund schnell gut erzogen sein.
Es ist wichtig die Übungen in den Alltag zu integrieren und auch überall wo man mit den Hund hingeht zu üben. Dabei muss darauf geachtet werden, dass man seinen Hund nicht überfordert. Spaß und Abwechslung beim Training helfen deinem Hund und dir am Ball zu bleiben!

Um herauszufinden was mein Hund so richtig toll findet führe ich eine Belohnungsliste. Hier kommt alles auf eine Liste, in einer Reihenfolge von richtig super, bis zur kleinen Anerkennung für den Hund. Dabei handelt es sich nicht nur um Hundekekse sondern auch, einen Ball suchen, schwimmen gehen, Mäuse buddeln usw. Wenn du ca. 20 verschiedene Belohnungsarten zusammen hast, gibt es keine Ausreden mehr für einseitige Belohnungen.


Situationsbezogenes Belohnen

Ich gehe jeden Morgen meistens den gleichen Gassiweg. Hier habe ich einen guten Überblick, kann meine Hunde toben und laufen lassen und auch einmal gut ausweichen, wenn viel los ist.

Mein Tipp ist es immer verschiedene Leckerchen, oder Belohungsarten dabei zu haben.
So befinden sich in meiner Hundetasche meistens 1-3 verschiedene Arten von Leckerchen, 1-2 Spielzeuge, eine Pfeife und eine Tube mit Leberwurst für Hunde.

Deutscher Schaefer Hund und ein Rottweiler im Platz und Bleib

Wenn ich jetzt auf meinem Spaziergehweg gehe und es ist niemand anderer zu sehen, rufe ich meine Hunde regelmäßig zu mir. Dafür bekommen sie ein verbales Lob und ich schicke sie wieder voran. Sehe ich einen Fußgänger, rufe ich sie zu mir und sie bekommen aus ihrer Sicht, das minderwertigste Leckerchen, welches ich in meiner Tasche habe.
Der Reiz zu mir zu kommen, wenn ein Fußgänger in Sicht ist, ist nicht besonders groß. Wenn ein Radfahrer, oder Pferd mit Reiter auf unserem Weg unterwegs ist, dann ist das Leckerchen etwas hochwertiger. Hier ist der Reiz nachzulaufen, oder hinzulaufen für meine Hunde schon etwas größer.

Gehe ich besonders früh am Morgen, dann begegne ich manchmal einem Rudel Rehe, welches am Feld frisst. Wenn sie uns kommen sehen ergreifen sie meist die Flucht. Wenn ich meine freilaufenden Hunde von diesem Rudel Rehe zurückrufe, dann bekommen sie dafür eine Leberwurst, dass ist aus ihrer Sicht die hochwertigste Belohnung.

Ich finde sie haben es auch verdient, dass sie dann mit viel Lob und Leberwurst belohnt werden, wenn sie dem starken Reiz, wie einem Rudel Rehe, nicht nach zu laufen wiederstehen können.
Unser Rückruf wurde gut aufgebaut und funktioniert deswegen in jeder Reizlage, außerdem haben meine Hunde keinen allzu großen Jagdtrieb. Für diese “Ausnahme”-Situationen habe ich ein extra Rückrufsignal trainiert, welches bei hoher Reizlage gut funktioniert, bei uns ist das der “Superrückpfiff”.

Dieses Szenario kann man mit vielen Situationen durchspielen. Dazu muss ich wissen, was mein Tier ganz besonders toll findet und welche Situationen schwierig sind. Ein weiterer Weg wäre ein Training so aufzubauen, dass der Reiz zuerst weit weg ist und erst nach und nach wenn der Hund der Situation gewachsen ist die Distanz verringert wird.

Ein weiterer Vorteil wenn man unterschiedliche Belohnungen einsetzt ist, dass sich Hunde besonders anstrengen alles richtig zu machen. Sie wissen dann nie genau wann was kommt und können so das Herrchen nicht austricksen. Auch der Einsatz von Umweltbelohnungen fördert die Bindung zum Menschen. Hierbei nutzt man ebenso Dinge, welche der Hund jetzt besonders gerne machen würde.

"Hunde haben Interessen. Und wenn wir diese nicht als Belohnung für unser Training verwenden, wird es eine Ablenkung sein." Dr. Ian Dunbar

Ein Hundeleben lang mit Leckerchen belohnen?

Nein, man kann die Leckerchen auch wieder abbauen und nur selten etwas geben, aber nur wenn die Signale welche ich als Mensch dem Hund gebe, bekannt sind und auch ausgeführt werden können. Ich bin jedoch ein Freund davon meine Hunde zu bezahlen und habe meistens Leckerchen in der Tasche und finde nicht, dass dies mit Bestechung zu tun hat.

Wenn wir ehrlich sind kann unser Vorgesetzter noch so fair und sympathisch sein, wenn die Entlohnung nicht stimmt, stimmt auch die Arbeit nicht. If you pay peanuts you get monkeys ;)

spielende Hunde und Hundekekse


Bei weiteren Fragen zum Training, oder wenn du eine Hilfestellung bei der Hundeerziehung benötigst kannst du dich gerne bei mir melden.

Liebe Grüße Gerda
Kommentare  
 
# Kirstin 2014-05-22 09:34
Liebe Gerda
Da bin ich voll auf deiner Wellenlänge. Ich würde auch keinen Arbeitsvertrag hinnehmen , in dem kein für mich akzeptables Gehalt
Festgehalten ist.
Außerdem ist es eine absolute Freude wenn Rieke mit wehenden Ohren und breitem Lächeln auf mich zugerannt kommt, während der andere Hundehalter mit vom Schreien gerötetem Kopf seinen Hund immer noch nicht bei sich hat.
wenn Leckerli dann vom Gesamtfutter abgezogen werden, ist es absolut ok- Rieke erarbeitet sich ja ihre Leckerli.

bis Samstag
Lg Rieke und Ihre Maaaama
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